Anbaumethoden
in Indien
(nach einem Bericht der 1893 von England eingesetzten
Hanf-Drogen-Komission)
...Bevor die Kultivierung der Hanfpflanze beschrieben werden soll, müssen
zunächst die Produkte genannt werden, die daraus gewonnen werden. Wie oben
dargelegt wurde, ist die Hanfpflanze die gleiche, die auch die verschiedenen.
Narkotika hervorbringt. Der Samen wird gern an gefangengehaltene Vögel
verfüttert, die Inder - vor allem im Himalaya - essen ihn aber auch, zudem kann
auch Öl daraus gepreßt werden. Die narkotischen Produkte sind: Ganja, bestehend
aus de getrockneten Blüten der weiblichen kultivierten Pflanze, die sich mit
einem Harz überziehen, wenn sie an der Samenbildung gehindert werden. Das Harz
nennt man auch Churrus oder Charas. Siddhi, Bhang oder Subzi sind verschiedene
Namen für die getrockneten Blätter der Hanfpflanze, sowohl der weiblichen wie
auch der männlichen, der wilden wie der kultivierten.
Der Anbau von Hanf ist eine mühselige Sache. Die Pflanze erfordert einen
leichten, gut feuchten Boden. Die Ghariga-Pflanze wird zunächst im Beet, meist
direkt am Haus herangezogen. Die Stelle für das Feld wird im Mai ausgesucht und
nach ein oder zwei Regentagen umgepflügt und nach Möglichkeit weitgehend von
Unkraut gerei-nigt. Dann wird eine Lage frische Erde aufgetragen, deren Qualität
und Quantität und Quantität davon abhängt, wie gut der eigentliche Ackerboden
ist. Außerdem wird dann das zuvor entfernte Unkraut als Kompost sowie nach einer
Woche Rinderdung aufgetragen und das ganze Feld noch einmal umgepflügt, was bis
August noch einige Male wiederholt wird. Durch diese Maßnahme soll die
Bodenkrume so weit wie möglich zerkleinert werden. Dünger wird für das Vorbeet
nicht verwendet, dafür muß das Beet aber möglichst schattenlos sein.
An einem besonders schönen Tag werden die Samen ausgesät und leicht mit
Erde überdeckt, sowie das Beet sorgfältig mit kleinen Furchen versehen, damit
sich nicht zuviel Feuchtigkeit ansammeln kann. An Regentagen oder auch nur bei
wolkigem Wetter empfiehlt sich die Aussaat nicht, weil die Wurzeln bei allzu
großer Feuchtigkeit zu schnell faulen. Auch nach der Aussaat sind Regentage
gefährlich, weil schwerer Regen die Erde klumpen läßt und so die Samen
vernichtet werden.
Nach der Aussaat "... Ende August oder Anfang September wird das für die
Setzlinge vorgesehene Feld mit Kuh-mist und Kompost gedüngt, acht bis zehn Tage
danach werden die Hanfsetzlinge verzogen. Furchen werden angelegt, die Setzlinge
in den erhöhten Teil eingesetzt und mit der Hand leicht festgedrückt. Das alles
muß an einem einzigen Tag erledigt werden, damit der zu Zeilen aufgeworfene
Boden nicht zu sehr austrocknet und die Erde wirklich feinkörnig ist.
Wie oft der Boden vor dem Pflanzen der Setzlinge umgepflügt werden muß,
richtet sich nach der Bodenbeschaf-fenheit; lehmiger Boden, der für Hanf
besonders gut eignet, muß häufiger umgewendet werden als sandiger Boden. die
Setzlinge sind beim Auspflanzen etwa 5 bis 6 Wochen alt und 12 bis 15cm hoch.
Die kleineren werden für höher gelegene und trockenere Felder verwendet, weil
sie dort leichter angehen, als auf den tiefer gelegenen Feldern mit einem
größeren Feuchtigkeitsgehalt. Auch jetzt noch sind 3 bis 4 Regentage gefährlich
nach dem Anpflanzen, da die Wurzeln zu schnell faulen.
Etwa einen Monat nach dem Auspflanzen werden die Felder sorgfältig vom
Unkraut befreit. Wenig später, normalerweise Anfang November, werden die
Pflanzen an den Wurzeln freigelegt, ohne sie jedoch zu verletzen, und mit
Ölkuchen oder Kuhmist gedüngt, dann werden die Furchen neu gezogen, so daß die
Wurzeln wieder mit Erde bedeckt sind. Schließlich werden Mitte November die
untersten Triebe und Blätter der Pflanzen entfernt. Damit erhalten sie die für
die typische Pyramidenform: Die Blüten liegen dicht beieinander und es bilden
sich keine zu weit unten, wo sie von der Erde bedeckt werden könnten. Außerdem
kann auf diese Weise vorsichtig nochmals gepflügt und gedüngt werden, diesmal
allerdings mit pulverisiertem Ölkuchen und Kuhmist. Danach werden die Zeilen
sorgfältig wieder begradigt und aufgeschüttet.
Schließlich müssen die männlichen von weiblichen Pflanzen unterschieden
werden. Dafür gibt es besonders ausgebildete Leute, manchmal versteht sich aber
auch ein Hanfanbauer selbst darauf. Wie die Unterscheidung getroffen wird, kann
von Experten allerdings nicht genau beschrieben werden. Auf jeden Fall muß die
Operation vorgenommen werden, bevor die Blüten entwickelt sind. Wie Chunder Kerr
erklärt, wird damit am frühen Morgen begonnen, um besonders gutes Licht zu
haben; demnach muß es sich um besonders feine Unterschiede handeln.
Nachdem der "poddar", wie der Experte genannt wird, die männlichen Pflanzen geknickt hat, zieht sie der Bauer heraus, um auf diese Weise die freigewordenen Stellen mit Pflanzen aus solchen Teilen des Feldes zu besetzen, wo diese besonders dicht stehen, dann wird zum erstenmal bewässert, allerdings nur so stark, das die aufgehäufelten Zeilen feucht werden, aber kein Wasser in den Furchen stehen bleibt. Da der "poddar" in Abständen mindestens dreimal, manchmal sogar bis zu sechsmal wiederkommen muß, wird auch ebenso oft bewässert. Von da an sucht der Anbauer ständig nach männlichen Pflanzen, die der Experte und er übersehen haben könnten. Zwischen dem ersten und zweitem Bewässern wird das Feld dann noch einmal ganz gehackt und erneut gedüngt.
Die männliche Pflanze beginnt im November zu blühen, die weibliche erst
im Januar. Wenn letzterer Fall einge-treten ist, kontrolliert der Hanfanbauer
erneut das Feld um abnorme männliche Blüten auf den Stauden mit den weiblichen
Blüten festzustellen, die er oder der "poddar" bisher nicht bemerkt hatten. Die
weiblichen Pflanzen, die Ganja-Stauden, reifen Mitte Februar, was sich daran
zeigt, daß die Pflanzen leicht bräunlich werden und die größeren Blätter
abwerfen. Als die Kommission am 16. Februar das Gebiet von Naogaon besuchte, war
die Ernte gerade in vollem Gange.
Aus allen Provinzen wird übereinstimmend berichtet, daß Ganja zu der Zeit
wenn sich das Harz in den Blüten bildet, häufig vom Regen verdorben wird.
Deshalb auch wird das Harzprodukt Churrus aus Zentralasien so besonders
geschätzt, weil dort gleichmäßige Trockenheit herrscht, so daß die Droge von
gleichbleibend guter Qualität ist. Die zumeist mindere Qualität des Ganja ist
häufig auf zuviel Regen während der Blütezeit zurückzuführen (...)
Zusammenfassend läßt sich wohl sagen, daß die Kenntnis des Unterschiedes zwischen weiblichen und männlichen Pflanzen weit verbreitet ist. Gelegentlicher halbwilder Anbau kommt ebenfalls vor, ist jedoch nicht nennenswert. Überall dort, wo die Pflanzen günstige Bedingungen vorfinden oder in Höfen kultiviert werden, werden die weiblichen zur Ganja-Erzeugung verwendet. Für diesen Anbaubereich spielt es dabei keine Rolle, ob die Samen von der kultivierten oder von der wilden Pflanze, von Ganja oder Bhang stammen.