Cannabis in Europa


Cannabis indica oder auch Manilahanf ist etwas kleiner als Cannabis sativa, der dafür auch gewöhnlich ist. Seine Samen waren bis vor einigen Jahren noch in ländlichen Blumenhandlungen erhältlich Blumenhandlungen erhältlich. Versuche in der Schweiz und in der Lüneburger Heide ergaben immerhin Pflanzen von Schulterhöhe, und der Sommer 1975 erbrachte noch prächtigere Exemplare, wenngleich auch ihre Wirkung um ca. 1/3 geringer ist als in den klassischen Anbauländern. Zudem läßt die Wirkung ab der 3. Pflanzengeneration erheblich nach. Die auf dem Balkon gezüchteten Pflanzen sind natürlich bedeutend kleiner, jedoch ebenso wirksam. Die Aussaat erfolgt im Frühjahr, in nördlichen Gegenden zieht man die Pflanzen besser in der Wohnung vor, die Erntezeit ist knapp vor der Blüte. In Afghanistan genügt es, mit einem Lederschurz durch die Felder zu gehen und anschließend das daran klebende Harz abzuschaben. Hierzulande reibt man am besten die Blüten mit einem rauhen Tuch und entfernt das daraufhin austretende Harz mit einem kleinen Schaber; das Tuch kann als Teebeutel verwendet werden.


Den so gewonnenen Stoff bewahrt man am besten in luftdichten Dosen auf, nachdem man ihn durch Aufkochen (in der Dose kurz erhitzen) pasteurisiert hat. Die Blütenblätter pflücken, in einem verschließbaren Porzellantiegel zu Brei mahlen, ebenfalls kurz erhitzen (mit einem Staniolpapier bedeckt im Backrohr, bei 140°C 5 Minuten) und luftdicht verschließen. Das entspricht dem gängigen Shit billigerer Qualität. Man kann natürlich auch die ganzen Blütenknospen ohne vorher das Harz ausgezogen zu haben, auf die oben genannte Weise behandeln. Radikale neigen dazu, Stengel, Blätter und Blattspitzen gesondert zu behandeln. Einfacher ist es aber, die oberen Blätter mit dem Stengel (ca. 10cm) und die Spitzen der unteren Blätter zu pflücken und im Schatten zu trocknen.

Die unteren Blattreste geben ebenfalls, wenn auch nur sehr wenig, her, sind aber als Teegrundlage und bei ungarischen Rezepten anstelle von Majoran sehr gut, bei völlig verstockten Rauchern halbwegs gut verwendbar.


Sozial gesinnte Kriminelle laden nach der Ernte gemeinhin Gleichgesinnte zu einem Erntedankfest und Nebukadnezars Traum ein.

Selbstverständlich lohnt sich Cannabisbau in Deutschland nicht, da bisher sämtliche Pflanzungen über 1ha von der Polizei sichergestellt wurden. Da zudem der öffentlichen Ordnung halber nicht verraten werden darf, wie Cannabis wirklich gezüchtet wird, sind alle hier angeführten Methoden und Beispiele frei erfunden. ;-)


Die Beziehung des Europäers zu Cannabis beschränkte sich Jahrhunderte auf die Herstellung von Seilen, doch nahm auch der gewöhnliche Hanf, Cannabis sativa, in vielen Gegenden eine besondere Stellung ein. Im süddeutschen Raum gibt es viele Sagen, daß sich vom Teufel verfolgte Jungfrauen in Hanffelder retteten - Reste einer kultischen Verehrung. In vielen überlieferten Märchen und Erzählungen findet man Hinweise auf den Gebrauch von Cannabis und vielen anderen Kräuter; meist verschlüsselt, hinter Symbolen versteckt, zeigt sich, daß Bilsenkraut und Mandragora, Belladonna und Cannabis, Fliegenpilz und Mutterkorn den Hexen und Alchemisten wohlbekannt waren. In vielen ländlichen Gegenden werden die getrockneten Blüten einfach wie Tabak geraucht, was vor allem nach dem zweiten Weltkrieg sehr verbreitet war. Aus den Knospen der weiblichen Pflanze wird noch heute in Ungarn ein wohlschmeckender und ziemlich "giftiger" Tee gekocht, mit dem die Bäuerinnen ihre Männer im Haus behalten wollen. Tatsächlich enthält ja auch der gewöhnliche Hanf in geringen Mengen die Wirkstoffe des Cannabis indica. Manilahanf selbst war allerdings schon im Mittelalter bekannt. Bereits früher hatten ihn aus dem Osten kommende römische Legionen mitgebracht. Unter den Ausgrabungsfunden römischer Kastelle und Ortschaften finden sich einige sehr schöne Deckelpfeifen, die eindeutige Zeugen für den Cannabisgebrauch darstellen, noch dürften die Kenntnisse über diesen Stoff wie auch seine Pflanzungen ein Opfer der Völkerwanderung und der Christianisierung mit ihrem Weinkult geworden sein. Da die christlichen Religionen als "heiliges Rauschgift" den Wein angenommen hatten (Meßritual!), wurde das ältere Cannabis und die anderen Kräuter, die zu den Tänzen und Festen der Volksreligionen gehörten, verboten, der Unterwelt und dem Bösen zugeordnet, und tausende von "Hexen" und anderen Suchenden unterdrückt, verfolgt und ausgerottet; in Böhmen wurden zum Scheiterhaufen verurteilte "Hexen" mit Hanf, Bilsenkraut und Mohn bekränzt und verbrannt. Daher war der Gebrauch von Cannabis bis zum 19. Jahrhundert in Europa kaum verbreitet. Es erfreute sich in den Clubs der Städte größter Beliebtheit, bis es anfangs der Zwanzigerjahre von Morphin und chemischen Präparaten verdrängt wurde. Erst in den Fünfzigerjahren dieses Jahrhunderts viele Europäer angeregt von amerikanischen Jazzmusikern und Asien- und Afrikareisenden dieses Naturprodukts, das bald immer populärer wurde.


Und mit der Verbreitung des Haschisch im europäischen Raum kam auch wieder die Kenntnis seiner verschiedenen Zubereitungsarten auf. Barbaren und Nichtkenner vermischten es mit Salat, Ahnungslose bröckelten es in den Tee, und nur wenige kannten die richtigen Zubereitungsarten. Gerade diese Unkenntnis trug dazu bei, das gefährlich Laster des Haschischessens geringzuhalten. Die gängigste Art der Anwendung von Cannabis ist das Rauchen - man dreht also einen Joint. Kenner und sparsame rauchen ohne Tabakbeigaben in eigens dafür gebauten Pfeifen, was sowohl sparsamer ist, als auch das schädliche Nikotin vermeiden hilft. Genießer bevorzugen eine Wasserpfeife, denn zweifellos gehört sie zu einer der kultiviertesten Formen der Cannabis-Anwendungen. Die Wasserpfeife ist aus der arabischen Kultur ebensowenig wegzudenken wie die Haschischküche, die allerdings in Europa noch weniger bekannt ist.

 


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