"Kif ist wie das Feuer - ein bißchen wärmt, viel verbrennt!"

Marokkanisches Sprichwort


Wer sich mit dem Hanfkraut einläßt, wird nach einer gewissen Zeit über Erfahrungen verfügen, die ihn es kennen und achten lassen. Die sinnlichen Eindrücke des Rausches sind viel plastischer als es jede Beschreibung eines Mediziners vermag, die Betrachtung der Pflanze weitaus eindrucksvoller als die eines Botanikers oder Pharmako-logen. Zum besseren Verständnis halte ich doch einen begrenzten Umfang dieses Wissens für angebracht. Die Handbücher der Drogisten und Pharmazeuten geben uns Auskunft:


Cannabis sativa var. ind.

Familie Moraceae (Maulbeergewächs), Indischer Hanf, Haschisch; wahrscheinliche Herkunft Zentralasien, kultiviert in allen Erdteilen mit Ausnahme der Pole. Stammpflanze von Herba Cann. in. (Summatis Cannabis). Triebspitzen, Blätter und Blüten hauptsächlich der weiblichen Pflanzen und Harz.

Bestandteile:

Harz, ätherische Öle, Cannabinol (der aktivste Bestandteil ist das Delta-Eins-Tetrahydrocannabinol), Cannabi-dinol, Cholin, Trigonellin. Asche maximal 15%.

Anwendung:

meist als Tinktur oder wingeistiger Extrakt, als belebendes oder betäubendes Mittel, ähnlich dem Opium, namentlich in Fällen, wo dies nicht vertragen wird. Als Hypnoticum, Antineuralgicum, Antipasmodicum, bei Asthma, Neuralergien, Keuchhusten, Gicht, Rheuma. Das Extrakt ist (war) häufig ein Bestandteil von Hühneraugenmitteln.


Semen Cann., Fructus Cann., Hanfsamen

Ovale, nüßchenartige Schließfrucht, am Rande gekeilt, Fruchthülle lederartig, graugrünlich glänzend, einsamig; Samenfleisch weiß. Geruchlos, Geschmack milde.

Bestandteile:

ca. 35% (bis 58%) fettes Öl, Trigonellin, Eiweißstoffe, (ca. 25%), Harz, Zucker, Asche max. 6%

Anwendung:

In Form von Emusionen als linderndes Mittel bei Entzündungen der Harnwege, volkst. bei Gelbsucht, als Vogelfutter, zur Ölgewinnung, nach Entziehung des Öls auch als Kindernährmittel.


Oleum Cann., Hanföl

Preßöl, bräunlich bis grünlich-gelb, stark trocknend, Dichte (spez. Gew. bei 20° C): 0,925-0,928.

Verseifungszahl:

190-194 Jodzahl: 157-166 Bis -150° C noch flüssig.

Bestandteile:

Linolsäure (bis 70%), Linolensäure, Ölsäure

Anwendung:

In den Balkanländern als Speiseöl, bei der Herstellung grüner Schmierseife, ferner zu Firnissen und Lacken, als Bestandteil von Hühneraugenpflastern, als wirksames Mittel gegen Läuse. Auch äußerlich bei allzu reichlicher Milchabsonderungen stillender Frauen.


Zur Betrachtung der medizinischen Wirkungen stehen inzwischen vier große Untersuchungen zur Verfügung: der Indische Hanfdrogen-Report von 1893/94; der New-Yorker La Guardia-Report von 1944, der Britische Cannabis-Report von 1968 und der amerikanische Report von ca. 1970. All diese Berichte stimmen grundsätzlich in einem Ergebnis überein, nämlich, daß Cannabis über längere Zeit genossen keine schädlichen Wirkungen zeigt, sowohl im physischen, wie auch im psychischen Bereich. Der britische Report trifft hierbei von allen die genaueste Form. Es folgen Auszüge aus der deutschen Übersetzung von Rudolf Walter Leonhardt (Haschisch Report, München 1970):

"Klinische Merkmale

22. In den folgenden Abschnitten versuchen wir - möglichst allgemeinverständlich - die Auswirkungen des Can-nabis-Rauchens a) bei gemäßigtem Genuß, b) bei gelegentlichem exzessiven Genuß, der zu akutem Rausch führt, und c) bei chronischem Genuß darzustellen. Dieser Auszug beruft sich auf die Erfahrungen in verschiedenen Kulturländern. (...)

23. Das Rauschmittel als solches sowie seine Dosierung sind nicht die einzig entscheidenden Sachen für deren Wirkung auf das Zentrale Nervensystem. Eine ebenso wesentliche Rolle spielen hierbei die Persönlichkeit des Konsumenten, die unmittelbare Umgebung beim Gebrauch, sowie der kulturelle Hintergrund. bei bestimmten Personen und unter bestimmten Verhältnissen liegen hier die Ursachen unerwarteter Reaktionen. Jede Stellungnahme zu den Wirkungen eines Rauschmittels kann erst dann Gültigkeit beanspruchen, wenn auch diese Gesichtspunkte in Betracht gezogen werden. Einige Menschen können sogar Opiate regelmäßig zu sich nehmen und physisch von ihnen abhängig werden, ohne dadurch gesundheitliche Schäden davonzutragen oder in ihrer Arbeitsleistung reduziert zu werden.

24. Die Reaktion auf Cannabis kann entsprechend der Art des Konsumsund seiner Dosierung variieren. Raucht man ihn, so stellt sich die Wirkung normalerweise binnen einer halben Stunde ein und hält zwei bis drei Stunden vor. Schluckt man ihn, verzögert sich die Anlaufzeit manchmal bis zu zwei oder drei Stunden, die Wirkung hält aber doppelt so lange an. Wegen der relativ kurzen Anlaufzeit beim Rauchen kann der erfahrene Konsument die Dosierung der gewünschten Wirkung genau anpassen. Beim Schlucken oder Kauen ist diese Abstimmung sehr viel schwieriger zu erreichen. Abgesehen von diesen Erwägungen, scheinen sich die Auswirkungen der verschie-denen Cannabis-Präparate, die nicht in der ganzen Welt benutzt werden, nicht wesentlich voneinander zu unterscheiden.

25. Die Einnahme von Cannabis ruft außer geröteten Augen normalerweise keine charakteristischen körperlichen Begleiterscheinungen hervor. [Anmerkung: entgegen allgemeiner Auffassung tritt keine Erweiterung der Pupillen auf, und der Blutzuckerspiegel sinkt auch nicht.] Beim Rauchen des Rauschmittels können anfangs ein rauher, geröteter Rachen, sowie Beklemmungsgefühle in der Brust auftreten, gelegentlich auch - besonders, wenn die Person etwas ängstlich an die Sache heran geht - Kopfschmerzen, außerdem Magenbeschwerden und Erbrechen. Sobald die Wirkung des Rauschmittels nachgelassen hat, stellt sich häufig ein gesteigerter Appetit oder sogar Heißhunger ein. In vereinzelten Berichten wurde Cannabis als Todesursache angegeben, sie ist aber äußerst selten und ihre Richtigkeit kann nicht bestätigt werden.

26. Die Wirkungen des gemäßigten Cannabis-Konsums sind vorwiegend psychologischer Art. Zuerst stellt sich ein Gefühl der Erregung oder Spannung ein, manchmal gemischt mit Angstzuständen oder ausgelassener Fröhlichkeit. Grundsätzlich folgt hierauf ein Gefühl gesteigerter Wahrnehmungsfähigkeit: Farben, Geräusche und der gesellschaftliche Umgang erscheinen intensiver und bedeutungsvoller. Gewöhnlich fällt man hinterher in ein Gefühl des Wohlbefindens, gefolgt von einer Phase starker Besinnlichkeit und passiver Erbauung an der Umgebung. Nach wenigen Stunden setzt Müdigkeit ein, und die Person schläft. Ein sogenannter "Kater" kann zwar gelegentlich hinterher auftreten, ist aber keine allgemeine Folgeerscheinung.

27. Bei stärkeren Dosierungen oder aber auch, wenn sich die Person in einem nervösen Zustand befindet, können als erstes Symptome der Angst auftreten. Normalerweise werden diese überwunden, und die Person verfällt in den oben beschriebenen euphorischen oder passiven Zustand. Manchmal jedoch kann das Angstgefühl stärker werden und es treten Symptome auf, die einem wahnähnlichem Zustand nahekommen. Grundsätzlich aber sind diese Auswirkungen nicht überwältigend stark. In den meisten Fällen gewinnt die Person gewinnt die Person den Kontakt zur Realität wieder und bleibt sich des vorübergehenden Rauschmittel-Einflusses bewußt. In seltenen Fällen - oft dann, wenn das Rauschmittel geschluckt wird - können die Störungen tiefer gehen.

28. Die nachteiligen Wirkungen einer Überdosis, wie sie oben beschrieben wurden, lassen in den meisten Fällen nach, sobald das Rauschmittel vom Organismus ausgeschieden wird. In der Medizin würde man hier von einer toxischen Psychose sprechen. Es gibt Berichte über einen psychotischen Zustand, der länger anhält und in seltenen Fällen sogar zu einer Art Schizophrenie führt, aber es ist schwierig, anhand dieser Berichte festzustellen, welche Rolle Cannabis wirklich dabei spielt.

29. Nach Prüfung allen uns zugänglichen Materials, teilen wir die Ergebnisse, zu denen 1893/94 die von der indischen Regierung eingesetzte Indische Hanfdrogen-Komission und 1944 der vom Bürgermeister von New York eingesetzte Marihuana-Ausschuß gekommen sind: Auch der gewohnheitsmäßige Konsum von Cannabis hat, solange Exzesse vermieden werden, keine schädlichen Wirkungen.

30. Es gibt Berichte, vor allem von erfahrenen Beobachtern im Mittleren und Fernen Osten, die behaupten, daß sehr starker gewohnheitsmäßiger Konsum ein Syndrom von zunehmendem geistigen und körperlichen Verfall hervorruft, bis hin zu einem Stadium des Zitterns, Kränkelns und gesellschaftlichen Versagens.

Diese Syndrom kann zeitweilig durch Ausbrüche von Gewalttätigkeit akzentuiert werden. Man kann jedoch mit gutem Gewissen behaupten, daß in der westlichen Welt keine glaubwürdigen Beobachtungen über ein derartiges Syndrom gemacht worden sind und daß es unmöglich ist, anhand der uns zugänglichen Berichte des Orients darüber zu urteilen, ob ein solches Verhalten im unmittelbaren Zusammenhang mit Cannabis steht.

31. In der westlichen Welt werden manchmal gleichzeitig mit Cannabis auch andere Drogen genommen. Wenn Cannabis zusammen mit einem anderen Rauschmittel eingenommen wird, so wird die Wirkung dadurch nicht erhöht. Wird Cannabis mit Drogen wie z. B. LSD eingenommen oder aber auch mit Alkohol, so sind deren Wirkungen viel stärker als die des Cannabis. Personen, die LSD genommen haben, können häufig schon mittels manchmal recht geringer Cannabis-Mengen eine Wiederholung der halluzinogenen Erlebnisse heraufbeschwören.

32. Diejenigen, die glauben, daß es ein Syndrom des chronisch-exzessiven Cannabis-Genusses gibt, beschreiben Symptom des körperlichen Verfalls wie z. B. Gelbfärbung der Haut, Tremor, Gewichtsabnahme und Schwanken im Gang. Auch hier ist schwer zu beurteilen, welche Rolle das Rauschmittel spielt und inwieweit andere Faktoren, z. B. Unterernährung, für diese Veränderungen Verantwortlich sind."


- Cannabis und psychische Erkrankungen

Ebenso wie die körperlichen Wirkungen bis auf wenige Merkmale stark differieren können, sind auch die verschiedenen psychische Voraussetzungen der Cannabis-Benutzer Ursache für vielfältige Reaktionen, das kann sich bis zu extremen Erscheinungen äußern. Es läßt sich allerdings kein Beweis dafür bringen, daß Cannabis direkte Ursache für psychische Erkrankungen sein kann. Das Kraut kann nur so gefährlich sein, wie die psychischen Bedingungen des Benutzers es zulassen.

- Cannabis-Einstiegsdroge?

Es gibt Behauptungen, daß ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Cannabis und dem Umsteigen auf harte Drogen besteht. Die Untersuchungsberichte zur Stützung dieser These sagen z. B. aus, daß ein sehr großer Anteil Spritzgiftabhängiger auch Cannabis zu sich genommen hat. Diese Ergebnisse bleiben aber solange statistische Spielerei, bis Studien darüber vorliegen, daß Cannabis-Gebrauch bei einem bestimmten Prozentsatz der Konsumenten ursächlich auf ein Umsteigen auf harte Drogen führt. Erst derartige Ergebnisse wären dann die Grundlage einer Betrachtung über die Gefährlichkeit von Cannabis als Einstiegs- oder Umstiegsdroge. Bis dahin bleibt diese Behauptung nur so aussagekräftig wie die Tatsache, daß die meisten Fixer früher auch Milch getrunken haben.

- Cannabis und Verbrechen

Vereinzelte Berichte aus verschiedenen Kulturkreisen versuchen einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Cannabis und der Verübung von Straftaten aufzuzeigen. Ich spare mir hierbei erklärende Ausführungen und stelle lediglich den im allgemein gültigen Satz hin, daß der Faktor des Cannabis-Konsums bei Straftätern in unseren Breitengraden nicht als ausschlaggebend für das Verbrechen gewertet werden kann.

 


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